Sie sind hier: Startseite » Buchskrankheiten

Zünsler und Algenkalk

Seit Mitte April fliegen an sonnigen, warmen Tagen in unserem Garten die Zünsler-Schmetterlinge. In den letzten Tagen haben wir insgesamt vier Stellen gefunden, an denen wir Zünsler-Raupen feststellen konnten. Die Anzahl der Raupen lag zwischen vier bis acht Exemplaren pro Befallstelle. Zwei der Befallstellen konnten wir besonders gut beobachten, weil die Buxuspyramiden in Töpfen stehen und wir die Zünsler-Raupen in Augenhöhe hatten. Dabei war zu sehen, dass sich die Raupen nur im äußeren Bereich der Pflanzen bewegten. Im Innern der Buxuspyramiden waren keine Raupen festzustellen.

Aus der Nähe war noch zu beobachten, dass die Raupen sich von den älteren, vorjährigen Blättern wegbewegten und diese nicht anfraßen! Sie suchten immer nur nach neuen, frischen Trieben, an denen sie dann knabberten. Allerdings machten die Raupen aufgrund ihrer geringen Größe keinen ‚gesunden‘ Eindruck. Wir haben alle 15 Minuten die Raupen beobachtet und stellten fest, dass es im Verlauf von 2 Stunden immer weniger Raupen wurden. Am nächsten Morgen waren alle Raupen verschwunden und lediglich einige unbedeutende Schadstellen waren zu sehen, die in den nächsten Tagen zuwachsen werden. Diesen Verlauf beim Zünsler-Befall haben wir in den letzten zwei Jahren wiederholt festgestellt.

Die Frage ist, warum an den Befallsstellen nur eine unbedeutende Zahl von Raupen auftritt und warum sie keinen nennenswerten Schaden anrichten.
Nach dem Stand unserer Beobachtungen ziehen wir folgende Schlüsse:

1. Im Innern der Buxuspflanzen ist auf den Blättern und Stängeln noch ein leichter Kalkbelag vom Vorjahr festzustellen. Verhindert dieser Belag die Entwicklung der Raupen? In diesem Jahr wird -wie immer- der Buxus in unserem Garten Anfang Mai mit Algenkalkpulver als Blattdünger bestäubt.

2. Da wir den Buxus seit vier Jahren mit Algenkalkpulver düngen, sehen unsere Bestände auffallend kräftig und gesund aus. Die kontinuierliche Düngung hat die Pflanzen so gestärkt, dass sie sowohl den Cylindrocladium-Pilz als auch den Zünsler weitgehend abwehren können. Es ist eine bekannte Strategie im ökologischen Gartenbau, durch gezielte Düngung Pflanzen so zu stärken, dass sie gegen Schädlinge und Pilzerkrankung genügend Abwehrstoffe entwickeln. Wir verfügen dabei über einige Erfahrungen, da wir seit 25 Jahren keinerlei Pestizide oder Herbizide einsetzen! So hat sich in unserem Garten eine vielfältige Insekten- und Vogelwelt entwickeln können.

Da wir immer wieder hören, dass vor Algenkalk gewarnt wird, listen wir nachfolgend einige Verwendungsgebiete des Algenkalks (Lithothamnium Calcareum) auf:
1. Algenkalk wird im großen Stil für die Trinkwasseraufbereitung verwendet (besonders in Frankreich)
2. Algenkalk wird darüber hinaus in der ökologischen Landwirtschaft verwendet. Bei Rindern und Milchkühen wird eine tägliche Gabe von 50 – 80 g empfohlen, um den pH-Wert im Pansen zu stabilisieren und die Milchleistung zu steigern. Bei Schweinen führt der Algenkalk zur besseren Futterverwertung und reduziert Ohr- und Schwanzbeißen. Bei Hühnern wird Algenkalk u.a. zur Stärkung der Eierschalen dem Futter beigegeben.
3. Besonders interessant ist die Verwendung von Algenkalk bei der Stallhaltung von Kühen und Schweinen: als Zusatz zum Streu reduziert Algenkalk die Eiablage von Fliegen in den Ställen.
4. Im Acker- und Gemüseanbau hat der Algenkalkdünger eine große Bedeutung; er versorgt die Pflanzen mit allen notwendigen Spurennährelementen und mit wertvollen Makronährstoffen in leicht verfügbarer Form, beugt Jod- und Selenmangelerscheinungen vor. Hier wäre es wünschenswert, dass ‚auf wissenschaftlicher Basis‘ eine Analyse durchgeführt wird, um genau zu ermitteln, welche Stoffe dem Buxus im einzelnen fehlen und so die Ursache für die auftretenden Pilzerkrankungen zu ermitteln. Es ist bei uns deutlich zu beobachten, dass die Blattdüngung dem Buxus die Stoffe zuführt, die ihn stärken (offensichtlich auch gegen Zünsler).

Wichtig: Algenkalk in Pulverform wirkt nicht unmittelbar wie ein Pflanzenschutzmittel! Algenkalk ist ein Dünger, der erst mit Verzögerung durch die Kräftigung der Pflanzen wirkt.

Über die weitere Entwicklung in unserem Garten werden wir in den kommenden Wochen an dieser Stelle berichten.
Klaus Bender und Manfred Lucenz
Schneppenbaum, Mai 2018